Aktuelle Media-Analyse 2025
Das Imperium schlägt digital zurück: Warum Österreichs Zeitungen 2025 trotz „Zeitungssterben“ dominierenDie aktuelle Media-Analyse 2025 zeigt ein überraschend klares Bild der österreichischen Medienlandschaft: Trotz digitalem Wandel und oft prognostiziertem „Zeitungssterben“ behaupten sich klassische Medien weiterhin als zentrale Reichweitenmotoren – und gewinnen im Zusammenspiel mit digitalen Kanälen sogar an Bedeutung.
Die Renaissance der Reichweite?
In der medienkritischen Debatte wird gerne das Ende des gedruckten Wortes beschworen. Doch die aktuelle Media-Analyse (MA) 2025 liefert ein faszinierendes Veto gegen das Narrativ vom „Zeitungssterben“. Trotz einer hybriden Transformation erreichen Zeitungen in Österreich nach wie vor 50 % der Bevölkerung ab 14 Jahren (ein leichter Rückgang gegenüber den 51,7 % des Vorjahres). Als „Währung der Werbewirtschaft“ zeigt die MA 2025 deutlich: Print ist kein Auslaufmodell, sondern das Fundament einer massiven Medien-Hybridisierung, die Reichweite in einer fragmentierten Aufmerksamkeitsökonomie neu definiert.
Die unangefochtene Krone und der digitale Verfolger
In einem zunehmend zersplitterten Markt bleibt die Kronen Zeitung der unangefochtene Dominator. Mit einer Print-Reichweite von 19,8 % (1,546 Mio. Leser:innen) hält sie die Spitzenposition, auch wenn ein Verlust von 2,1 Prozentpunkten zu Buche steht. Dass eine Marke in Zeiten maximaler Ablenkung fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung erreicht, unterstreicht die enorme Resilienz traditioneller Flaggschiffe. Auf Rang zwei behauptet sich die Gratiszeitung Heute stabil bei 9,2 % (720.000 Leser:innen).
Wolfgang Jansky, Geschäftsführer von Heute, sieht darin eine Bestätigung des „Total Audience Approach“:
„Die hohe tägliche Reichweite über alle Kanäle hinweg zeigt, dass unser strategischer Weg richtig ist. Wir entwickeln Heute konsequent als moderne Medienmarke weiter, mit starker digitaler Präsenz und einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse unseres Publikums.“
Der 60-Prozent-Boost und der methodische Bruch
Die wahre Kraft der Marken entfaltet sich in der Cross Media Reach (CMR). Durch die Integration der Online-Angebote springt die Gesamtreichweite der Tageszeitungen auf beachtliche 60 %.
Die CMR-Top-Player im Überblick:
- Krone / krone.at: 25,2 %
- Heute / heute.at: 13,5 %
- Österreich / oe24.at: 12,1 %
Wichtiger Analyse-Hinweis: Als Experte muss man hier einen Methodenbruch konstatieren. Aufgrund einer Umstellung der Erhebungsmethode durch die ÖWA sind die CMR-Werte für 2025 nicht direkt mit den Vorjahren vergleichbar. Dennoch bleibt die CMR die „zentrale Orientierung“ (Lorenz Cuturi, OÖNachrichten). Wie schlagkräftig digitale Einheiten sind, belegen die OÖNachrichten mit beeindruckenden 2.622.087 Unique Clients pro Monat. Erst durch die Einbeziehung von Newslettern (CMR+) wird das gesamte Ökosystem der modernen Reichweite sichtbar.
Regionalität als Reichweiten-Turbo: Hyper-Lokalität
Die CMR fungiert besonders bei regionalen Titeln als massiver Hebel. In einer globalisierten Welt suchen Menschen Relevanz „direkt vor der Haustür“.
- RegionalMedien Austria (MeinBezirk): Erreichen eine CMR von 46,2 % (3,6 Mio. Nutzer:innen).
- Tips (Oberösterreich): Mit einer CMR von 59,7 % stellt dieser Titel eine internationale Anomalie dar – fast zwei Drittel eines Bundeslandes werden über eine einzige Marken-Kombination erreicht.
Moritz Walcherberger (Tips) bringt die These der Hyper-Lokalität auf den Punkt:
„Die räumliche Nähe zum Ereignis schlägt den Kanal – Reichweite entsteht dort, wo Betroffenheit herrscht.“
Die Giganten des Nutzwerts: Special Interest und Lifestyle
Oft unterschätzt, erzielen Special-Interest-Titel Reichweiten, von denen politische Magazine nur träumen können. Der Grund liegt im Nutzwertjournalismus und in High-Trust-Umgebungen (z. B. ÖAMTC oder Spar-Markenwelt).
- Auto Touring: Mit 28,0 % (2,185 Mio. Leser:innen) der absolute Reichweiten-König Österreichs.
- Frisch gekocht: Platz eins der Monatsmagazine mit 19,1 % (1,489 Mio. Leser:innen).
- Die ganze Woche: Spitzenreiter der Wochentitel mit 8,0 % (627.000 Leser:innen).
Diese Titel zeigen, dass Nutzwert-Themen wie Mobilität und Kulinarik ein massives, loyales Publikum binden, das in diesen Umfeldern gezielt nach Orientierung sucht.
Qualität als Währung der Zukunft
Das Resümee der MA 2025 ist eindeutig: „Verlässlicher Qualitätsjournalismus“ und „hohe Relevanz“ (Richard Grasl, Kurier) sind die Währungen, die auch in einer digitalen Welt Bestand haben. Die Medien-Hybridisierung ist abgeschlossen; Print fungiert als Anker der Glaubwürdigkeit, während Digital die Frequenz liefert.