Wissenstransfer von Fachveranstaltungen
Der dynamische Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz erfordert eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit neuen Technologien und deren strategischer Einbindung in den Tourismus. Im Frühjahr 2026 boten die ITB Berlin, der E-Day in Salzburg und der AI-Radar Deep Dive Workshop der Österreich Werbung Plattformen, um aktuelle Trends zu analysieren und praxisnahe Lösungsansätze für die Branche zu diskutieren.
ITB Berlin: „Leading Tourism into Balance“
Auf der ITB Berlin stand das Leitthema „Leading Tourism into Balance“ im Mittelpunkt. Ziel ist ein Übergang von reinem Wachstum hin zu mehr Resilienz und Verantwortung gegenüber allen Stakeholdern. KI übernimmt hierbei eine Schlüsselrolle als technologischer Wegbereiter. Ein Beispiel ist das Konzept „Dispersion by Design“, bei dem Plattformen wie Rome2Rio KI-Insights nutzen, um Reisende proaktiv zu weniger frequentierten Zielen („Hidden Gems“) zu lenken und so die Infrastrukturkapazitäten besser auszulasten.
Ein wesentlicher Trend ist der Übergang zum Agentic Commerce. Dabei rückt die bloße Inspiration in den Hintergrund, während die Delegation von Aufgaben an KI-Systeme an Bedeutung gewinnt. Technologisch wird dies beispielsweise durch das Universal Commerce Protocol (UCP) und das Model Context Protocol (MCP) ermöglicht, die es KI-Agenten erlauben, autonom zu kommunizieren und Buchungen durchzuführen.
Google präsentierte in diesem Kontext ihren Vorschlag eines „Virtual Destination Try-outs“, das NutzerInnen helfen soll, die Phase zwischen Inspiration und Entscheidung durch immersive Erlebnisse zu verkürzen.


Ein Beispiel für die praktische Anwendung eines KI-Agenten demonstriert Amadeus mit „Ava“, ein Agent, der bereits komplexe Flugumbuchungen inklusive Zahlung und Sitzplatzreservierung in unter drei Minuten abwickeln kann.
Die Vorträge zu den einzeln genannten Beispielen finden sich auf dem offiziellen Youtube Channel der ITB zum Nachschauen.
eDay Salzburg: Vertrauen, Ethik und effizientes Systemdenken
Der eDay in Salzburg beleuchtete die aktuellen Hürden der digitalen Kommunikation. Ein zentrales Problem ist das schwindende Vertrauen:
Da Ende 2024 bereits 53 % der Erwachsenen Ziel von Betrugsversuchen waren, reagieren 72 % der Menschen gar nicht mehr auf Anrufe von unbekannten Nummern.
Um diese Barriere zu durchbrechen und die interne Effizienz zu steigern, wurden verschiedene Lösungsansätze diskutiert:
- Identität durch „Branded Calls“: Damit Kunden wieder abheben, können Unternehmen ihren Namen und ihr Logo direkt auf dem Display des Angerufenen anzeigen lassen. Die eindeutige Identifizierung schafft sofortiges Vertrauen.
- „Trusted UX“ statt Manipulation: Gemäß dem EU Digital Services Act (DSA) sind manipulative Design-Tricks (Deceptive Patterns) mittlerweile untersagt. Dazu gehören künstlicher Buchungsdruck („Nur noch 1 Zimmer verfügbar!“) oder emotionales Unterdrucksetzen bei Ablehnung („Nein danke, ich zahle lieber den vollen Preis“). Gefragt ist stattdessen Transparenz, die dem Gast die volle Entscheidungsfreiheit lässt.
- Systemdenken statt Tool-Chaos: Um interne Abläufe zu optimieren, rückt der Fokus weg von vielen einzelnen Programmen hin zu einem vernetzten Gesamtsystem. Das bedeutet, Prozesse als durchgängige Abläufe mit klaren Zuständigkeiten und Schnittstellen zu organisieren, ähnlich einem Staffellauf. Der entscheidende Vorteil dabei ist, dass die KI dabei die Rolle des „Gedächtnisses“ übernimmt, das alle relevanten Informationen über verschiedene Programme hinweg mitführt. So wird verhindert, dass Mitarbeiter*innen wertvolle Zeit oder den Überblick über den Gesamtstatus einer Anfrage verlieren.
Unterlagen zu den heurigen Vorträgen am eDay finden sich unter folgendem Link: Downloads | eDay Salzburg

AI Radar Deep Dive Workshop: Strategische Transformation und Datenqualität
Der AI Radar Deep Dive Workshop der Österreich Werbung brachte 35 Branchenexpert*innen zusammen, um über die rein technische Anwendung hinaus die strategische Zukunft zu gestalten. Im Fokus stand die Erkenntnis, dass eine KI-Strategie keine isolierte IT-Aufgabe ist, sondern eine umfassende Transformationsstrategie für das gesamte Unternehmen darstellt.
Zentrale Erkenntnisse des Workshops
- Kollektive Befähigung: Die technologische Entwicklung ist nur so schnell wie die Menschen, die sie bedienen. Ein wesentlicher Outcome des Tages war daher der Fokus auf die aktive Einbindung der Teams. Es geht darum, KI-Kompetenz durch niederschwellige Formate und spielerisches Ausprobieren fest im Arbeitsalltag zu verankern. Das Ziel ist, dass KI nicht als Bedrohung, sondern als hilfreicher Partner gesehen wird. Denn Veränderung gelingt nur, wenn auch das Team bereit dafür ist.
- Datenqualität als Fundament: Der Workshop machte deutlich, dass KI nur so gut sein kann wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. Ein zentraler Outcome war das Bekenntnis zur Qualität vor Quantität. Es reicht nicht mehr aus, Daten irgendwo zu speichern. Sie müssen strukturiert, aktuell und verknüpft sein. Die Schaffung einer sauberen Datenbasis wurde als die wichtigste Aufgabe für alle Betriebe identifiziert, um Fehler wie „Halluzinationen“ der KI zu vermeiden.
Der Workshop verdeutlichte, dass Wissen und Motivation in der Branche bereits auf einem sehr hohen Niveau sind. Die größte Hürde für den nächsten Schritt ist nicht die Technik selbst, sondern der Bedarf an gemeinsamer Infrastruktur, klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rückendeckung durch Entscheidungsträger in den Organisationen.
Für alle, die sich auch für die Themen Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Tourismus interessieren, bildet die CTA-Community einen passenden Rahmen. Die Plattform dient der gezielten Vernetzung und dem Wissenstransfer für TouristikerInnen. Einfach unter Chance Tourism Austria registrieren und regelmäßig Updates zu Projekten und Workshops erhalten.