Zwei Personen fahren auf einer präparierten, verschneiten Piste mit Bäumen und Skilift im Hintergrund unter blauem Himmel Ski.

„Ich glaube an die zeitlose Faszination des Skifahrens“

Interview mit Skitourismusexperte Günther Aigner

Auch in 25 Jahren werde es noch genügend Schnee zum Skifahren geben, ist Skitourismusexperte und Strategieberater Günther Aigner sicher. Der Wintertourismus habe auch in Zeiten des Klimawandels viel Potenzial, der Markt bleibe stabil, Qualität und Premiumangebote hätten Zukunft. Skigebieten rät er, das Thema Klimaneutralität noch aktiver anzugehen – durch konkrete Maßnahmen und offensive Kommunikation.

Aus dem SalzburgerLandMarktforschung & TrendsNewsroomSkisport & PistenspaßWinter

Im Gespräch mit Günther Aigner

In Salzburg hat die vergangene Wintersaison erneut Rekordzahlen gebracht. Kann das angesichts des Klimawandels immer so weitergehen?

Der Winter 2024/25 galt als der beste weltweit, es gab 399 Millionen Skifahrertage, in Österreich waren es im vergangenen Winter rund 54 Millionen. Wir sind Skitourismus-Weltmeister. Global und auch in Österreich sehen wir über die vergangenen 25 Jahre ein leichtes Wachstum. Der Skitourismus ist in Österreich an seine quantitativen Grenzen gestoßen. Allein das Verkehrsnetz ist ein Faktor, der weiteres Wachstum praktisch ausschließt. Der Klimawandel ist im Skitourismus ein großes Thema. Aber er passiert nicht von heute auf morgen, man kann sich vorbereiten und die technische Beschneiung anpassen. Mittlerweile sind wir fast unabhängig von den natürlichen Schneebedingungen. Gerade die milden Winter mit wenig Schnee und viel Sonnenschein waren sehr gute Saisonen.

Wie wirkt sich wenig Naturschnee auf die Lust am Skiurlaub aus – Stichwort weiße Bänder in grüner Landschaft?

In den Dolomiten gibt es die weißen Bänder in Talnähe seit zwei Jahrzehnten, dort hat man gerade drei Rekordsaisonen verzeichnet. Die Gäste haben sich offensichtlich an das Bild gewöhnt. Weiter oben wird es durch natürlichen Schnee auch in Zukunft das Winterfeeling geben, das wir alle so lieben. Ich glaube an die zeitlose Faszination des Skifahrens. Die Menschen fahren seit 5.000 Jahren Ski und werden das auch weiterhin tun.

Wie schaut der Gast der Zukunft aus?

Es kommt zu einer Luxurisierung des Skisports. Aber es wird weiterhin genügend Menschen geben, die im SalzburgerLand Skifahren wollen. Das Publikum wird internationaler. Auf den Skipisten werden einkommensstärkere Schichten dominieren, sie erwarten sich Qualität und Premiumangebote. Die Skiregionen, die auf dieses Premiumsegment setzen, werden auch in Hinkunft stark nachgefragt sein. Schwieriger wird es für die kleineren Skigebiete, die auch bei der Beschneiung nicht mithalten können.

Skifahren wird zum Luxusgut?

Die Dynamik geht eindeutig in diese Richtung. Das muss aber nicht heißen, dass der Markt schrumpft. Die Zielgruppe verändert sich. Der teuerste Skitourismusmarkt der Welt ist die USA. Die Skigebiete in den USA haben in den letzten fünf Jahren die drei besten Saisonen aller Zeiten gehabt.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind für immer mehr Gäste ein Thema bei der Urlaubsentscheidung. Ist Skifahren da vertretbar?

Das Thema muss man differenziert betrachten. Beschneiung setzt enorm viel Wasser ein. Pro Skifahrertag sind es 1.000 Liter trinkbares Wasser, das ist gewaltig. Gleichzeitig muss man aber sagen, dass das Wasser nicht verloren ist, sondern im natürlichen Kreislauf bleibt. Der Energieverbrauch für die Beschneiung liegt bei 5,5 kWh pro Skifahrertag. Im Vergleich zur An- und Abreise der Gäste sind Energieverbrauch und CO2-Emissionen von Beschneiung, Seilbahnen und Liften sehr gering. Außerdem kommt die Energie mittlerweile überwiegend aus erneuerbaren Quellen, da ist viel geschehen in den vergangenen Jahren. Wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt, ist beim Dieselverbrauch der Pistengeräte. Da haben viele Skigebiete mittlerweile auf den pflanzenbasierten Dieselersatz HVO umgestellt.

Was raten Sie den Skigebieten?

Mein Appell ist: Man muss sich trauen, die Nachhaltigkeitsthemen im Skitourismus aktiv anzusprechen und darf keine Angst vor solchen Diskussionen haben. Die CO2-Bilanz der Beschneiung ist gering, das kann man gut argumentieren. Natürlich muss man proaktiv Maßnahmen zur CO2-Neutralität setzen. Klar ist aber auch: Einen Urlaub ohne Ressourcenverbrauch gibt es nicht. Wenn man als Gast etwas für den Klimaschutz tun will, dann ist die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln die beste Möglichkeit dazu.

Welche Chancen ergeben sich durch den Klimawandel für den Tourismus?

Die Chancen sehe ich im Ganzjahrestourismus. Die Sommersaison wird länger, sie dauert von Mai bis Oktober. In den alpinen Destinationen kann ich sportliche Sommerfrische anbieten, das Potenzial für einen Urlaub mit dem Mountainbike ist noch lange nicht ausgeschöpft. Dazu kommt, dass die Alpen im Sommer als kühlere Destination gegenüber dem Mittelmeerraum an Attraktivität gewinnen. Die größte Bedrohung für den Tourismus insgesamt sehe ich aktuell in der Geopolitik. Da kann aber Salzburg als sichere Region stark punkten.

Zur Person

Günther Aigner zählt weltweit zu den führenden Experten zur Zukunft von Skifahren und Skitourismus. Er berät Skigebiete, alpine Destinationen und Hardwarehersteller (z. B. Seilbahnsysteme). Als Keynote Speaker hält Aigner Vorträge im In- und Ausland und gestaltet als Experte den öffentlich-medialen Diskurs zum Skifahren mit. Aigner arbeitet als Gastlektor an Hochschulen und forscht an der Universität Innsbruck zu skitouristischen Themen.

Weitere Informationen zu Günther Aigner auf zukunft-skisport.at

Ein lächelnder Mann im Anzug sitzt mit einem Laptop an einem Tisch und recherchiert zum Nachfragetrend Skifahren.
Günther Aigner spricht über die „zeitlose Faszination des Skifahrens“. © Michelle Hirnsberger

Interview und Bericht von Claudia Lagler


27. Oktober 2026

Kontakt